14. Januar 2014

Leserbrief zur Baustellensituation in Karlsruhe

Es ist ja in gewisser Weise anerkennenswert, wenn der neue SPD OB mit Elan versucht, den hinterlassenen Scherbenhaufen des CDU alt- OBs noch besser zu kaschieren. Leider vergessen aber die Damen Fraktionsvorsitzende von CDU, SPD und FDP, dass sie es sind, die  diesen Scherbenhaufen mit aufgetürmt haben.

Beim Umbau einer noch so kleinen Dorfstrasse wird zuerst eine passende Verkehrsumleitung eingerichtet, dann wird ungebaut. Nun war es aber der Gemeinderat selbst, der, der Verwaltungsvorlage blind folgend am 21.10. 2008 die verhängnisvolle Kurzschlussentscheidung getroffen hat, den Tunnel zu erst zu bauen. Es bedarf keiner Fachkenntnisse um erkennen zu können, dass so ein komplexes Grossbauvorhaben, bei dem schwerstes Gerät in enger Bebauung eingesetzt werden muss, unter laufendem Strassenbahnbetrieb und mit Baustellenverkehr nicht ohne erhebliche Einschränkungen für die Anwohner, den Liefer- und Einkaufsverkehr  durchführbar ist. Das hatte der Gemeinderat zuvor in Köln besichtigt und musste daher wissen, welche Unannehmlichkeiten auf die Bürgerschaft zu kommen. Unter den vorgegebenen Bedingungen ist schlicht und ergreifend das Chaos vorprogrammiert. Da helfen auch  ein  Dutzend Baustellenmanager nichts.

Bis jetzt hat die KASIG durch die ständigen Gleisverschiebungen und Verkehrsumleitungen rund 40 Mio. € regelrecht verplempern müssen, weil es die Politik so will. Zu allem  Übel kommen die 2008/2009 neu verlegten Gleise im Zuge des „Stadtumbaues“ wieder raus, macht nochmals 10 Mio. €. Für diese 50 Mio. hätten erst einmal vor dem eigentlichen Tunnelbau die schon immer unhaltbaren Zustände in der Reinhold- Frank- Strasse und der westlichen Kriegsstrasse beseitigt und eine Straßenbahnverbindung zwischen Karlstrasse und Weinbrennerplatz geschaffen werden müssen. Zusammen mit der „Kriegsstrasse zuerst“ wäre eine leistungsfähige, innenstadtnahe Ersatzstrecke zwischen „Entenfang“ und Durlacher Allee zur Verfügung gestanden. Die extra zu Umleitungszwecken für 30 Mio. gebaute  Südostbahn kann leider nicht voll genutzt werden, weil die VBK einen Abzweig in die Rüppurrer Straße verweigerten. Von dieser Strecke kann erst wieder in der Karlsstrasse zum Hauptbahnhof abgebogen werden.

Die 7 Mio. für den Bypass, die 10 Mio. für die neue Gleisdreiecke am Kronenplatz und ab 2016 am Marktplatz, die nach 2019 wieder entfernt werden müssen und den Buspendel zwischen Hauptbahnhof und Ettlinger Tor für 5 Mio., zusammen = 22 Mio.  hätten von vornherein eingespart werden können.

Der Gemeinderatsvorlage zufolge, sollte der Tunnel 2016 fertig sein, bis zum Stadtgeburtstag 2015 kaum noch oberirdische Baustellen die Festlichkeiten stören, von einer Verlegung des Christkindlesmarkt über Jahre hinaus war auch nicht die Rede. Vielmehr sollte ab 2016  der Marktplatz straßenbahnfrei sein, 800.000 € eingespart, sich eine vorzeitige Entlastung der Kaiserstrasse und ein Mehr von etwa drei Millionen Fahrgästen eingestellt haben.

Eine „Kriegsstrasse zuerst“ empfahl die Vorlage nicht, obzwar dieses Teil der Kombilösung zum Stadtgeburtstag fertig gewesen wäre. Allein für die umwegige Strecke über die Kriegstrasse bedürfe es zusätzlicher Straßenbahnen, die aber nicht zur Verfügung stünden. Seltsam nur, der Bypass mit bis zu 8 Minuten längeren Fahrzeiten hat keiner zusätzlichen Bahn bedurft, im Gegenteil, Bahnen für 130 Mio. stehen seit eineinhalb Jahren auf Halde. Später kam noch das Argument hinzu, für die „Kriegsstrasse“ allein gäbe es keine Zuschüsse. Jetzt liegt der städtische Anteil bei etwa 300 Mio, da hätte die Kriegstrasse mit Kosten von 222 Mio. lässig ohne Zuschüsse und ohne Chaos umgebaut werden können, wenn es den Initianten ernsthaft um eine Verbesserung im Straßenbahnbetrieb gegangen wäre. Auch ist der Zuschussgeber nicht zu verstehen, wenn dieser erst einen Tunnelbau für 800 Mio. verlangt, um dann schlussendlich noch eine oberirdische Entlastungsstrecke zu finanzieren, die für sich allein genommen schon geeignet ist, den Straßenbahnbetrieb zu entzerren.

Wenn sich zu guter letzt Frau Luczak-Schwarz artig bei der KASIG für die Aufholung des Bauverzuges bedankt, hat sie vergessen, dass der Bauverzug noch immer zwei Jahre beträgt. Die Augen der Fahrgäste können sich erst ab  2018 statt 2016, an den nackten Tunnelwänden erfreuen. Dafür geht es auch viel schneller DURCH die City. Leider nicht IN die City.

Ullrich Müller

Leserbrief erschien auch in den BNN

Anmerkung: Für die Freien Wähler ist und bleibt die U-Strab die größte finanzielle Fehlentscheidung der Stadtgeschichte…