25. Mai 2016

Leserbrief zur Entscheidung über die Kombilösung

Wenn es sich die Entscheidungsträger in Sachen Kombi wirklich nicht leicht gemacht hätten, dann hätten wir heute ein gut funktionierendes Straßenbahnnetz, und zwar oberirdisch und kostengünstig.

Bereits 2002 war für den gesunden Menschenverstand  erkennbar, dass das  ganze Kombiprojekt auf tönernen Füßen steht. Wenn Frau Geiger nun den Kritikern vorwirft, diese wollen nur mit "Halbwissen brillieren", dann muss diese  Formulierung mehr als nur erhebliches Erstaunen hervorrufen. Bekanntlich hat die Verwaltung  in vielen wichtigen Punkten  nicht oder nur halb informiert.  Dieses an uns Bürger und Steuerzahler preisgegebene "Halbwissen" der Verwaltung bedurfte zwangsweise der Ergänzung, weil  Meldungen leider selten schlüssig und nachvollziehbar waren und das leider auch noch sind. In den meisten Fällen haben sich dann  die Vermutungen der Halbwissenden als grausame Realität herausgestellt.


In den Jahren 2006 bis 2010 hatte Frau Dr. Splett in Ihrer Eigenschaft als MdL in mehreren Petitionen und Anfragen die Kostenwahrheit und vor allem die Zuschussfähigkeit der Kriegsstrasse hinterfragt. Aus dem CDU Ministerium und den Petitionsauschüssen schallte  unisono zurück, es sein ein sehr  perfekt geplantes und kalkuliertes Projekt. Spätestens  2010 war auch für die Außenstehenden  mit Halbwissen klar, dass bei förderfähigen Gesamtkosten von  436 Millionen und bei einer Vergabesumme des Tunnelrohbaues von 300 Millionen nicht viel für die Infrastruktur im Tunnel  und "Kriegsstraße" übrig bleiben können, nämlich ganze 136 Millionen 2002 wurde aber die Kriegsstraße allein schon mit 130-150 Millionen gehandelt, aktuell soll sie bei  225 Millionen liegen.

Den Halbwissenden wurde 2002 und später auch von Dr. Casazza suggeriert, der Tunnelbetrieb sei nicht teuerer als der Oberirdische. Wo haben da die Gemeinderäte und Aufsichtsräte von KASIG und VBK hinterfragt, wie das denn sein kann? Reinigung, Beleuchtung, Fahrtreppen und Aufzüge kosten die etwa nichts? Wieso haben die Räte im Oktober 2008 nicht hinterfragt, wie  bei einem "Tunnelbau zuerst" statt der "Kriegsstrasse"  800.000 € "Betriebsersparnis" entstehen  kann?  Vier Jahre später 2012 war von Folgekosten von 16 Millionen die Rede, 2015 gar von 20-30 Millionen und das pro Jahr. Aktuell wird das Defizit der VBK auf etwa 60 Millionen p.a. steigen, durch den Tunnelbau. Hat je ein Gemeinderat nach gefragt, was die Gleisprovisorien beim Bauen unter Straßenbahnbetrieb überhaupt kosten? Und was für Unannehmlichkeiten für Handel und Passanten dadurch entstehen können? Hat je ein Gemeinderat außer Grünen und Freien Wählern sich darüber mokiert, dass statt der unter Tage werkelnden Heinzelmännlein die ganze Stadt von Nord nach Süd und von Ost nach West aufgerissen worden ist?

Hat je ein Gemeinderat einen Gedanken daran verschwendet, ob die vorhandenen Bahnen auch tunneltauglich sind? Die Freien Wähler hatten das im November 2009 erstmals  nachgefragt. Aus  der nichtssagenden Antwort ging immerhin hervor, dass die VBK gerade am Ermitteln der Kosten seien. Heute wissen wir auch, dass ein Kostenaufwand von 20-40 Millionen betrieben werden muss, um die vorhandenen Bahnen durch die Tunnels  bringen zu können. Hat  jemals ein Entscheidungsträger die Grundsatzfrage gestellt, welche Vorteile der Tunnel, außer einer schnellen Fahrt durch die City, überhaupt  für die Fahrgäste bringt?

Im Dezember 2013 hatte Frau Mergen die Katze aus dem Sack gelassen, als sie sinngemäß vor dem Gemeinderat vortrug, die Kombi hätte schon immer 806 Millionen gekostet, wenn 2004 (GVFG Antragstellung) genauso kalkuliert worden wäre, wie jetzt 2013. Und Frau Mergen fügte an: "Aber das war nicht gewollt". Denn dann wäre der Nutzen-Kosten-Index erheblich unter "eins" gerutscht. Aber auch diese Aussage führte zu keinem Wachrütteln der Räte. Außer den Grünen und Freien Wählern hat keiner danach gefragt, ob die Kosten aus Unvermögen oder bewusst schö ngerechnet worden waren.

Meinen Erkenntnissen nach, die ich aus den BNN schöpfe, muss ich feststellen, dass es sich die  Entscheidungsträger  wahrlich sehr  wohl sehr leicht gemacht haben, wenn es um das Verbrennen dieser Euro Milliarde  geht.

Als  halbwissender Bauingenieur für Verkehrsbau habe ich viele Straßenbahn- und U Bahnbetriebe in Europa und Asien, bis hin nach Pjöng Jang besucht und dabei rund 300.000 km mit der Eisenbahn  zurückgelegt. Ich weis von was ich rede.

Ullrich Müller

Leserbrief erschien etwas kürzer in den BNN