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18. Februar 2014

Leserbrief zum Thema „Wir brauchen ein Cybermobbing-Gesetz“

Jeder kann Opfer werden“ – ob Kinde, Jugendlicher oder Erwachsener. Ob in Facebook, in Chatrooms oder sonstigen Social-Media-Plattformen. Und es kann jeden treffen. Plötzlich und unvermittelt oder indirekt und schleichend. Ob in der Schule, am Arbeitsplatz oder im Ehrenamt.

Vergangene Woche wurde uns im Aktiv-Büro gesagt, „beim Mobbing sind immer zwei beteiligt“. Die freundliche Dame irrt: Es sind viele, einer der mobbt, der andere, der gemobbt wird, und viele, die zuschauen, mitlesen, schweigen oder mit aufspringen, sich durch den aktiven Cyber-Mobber bestätigt, sich zum virtuellen gemeinsamen Draufhauen eingeladen fühlen.

Wer nicht d’accor geht, nicht gefällig ist, vielleicht den Mund aufmacht und anderer Meinung ist, dem kann plötzlich ein eiskalter Wind aus dem Bildschirm wehen und Buchstabenstürme von Bashing auf sich niederprasseln sehen, dass es einen vom PC wegpustet und zusammenbrechen lässt.

Es sind nicht nur „Proleten“ oder „untere Bildungsschichten“, die sich des geschützten Mobbings hinterm Bildschirm bedienen und die persönliche direkte Auseinandersetzung mit offenem Blick in die Augen des Gegenübers vermeiden. Das geht durch alle Bildungsschichten. Ob Konfirmandengruppe, Hasenzüchter- oder Künstlerinnenverein. Die Möglichkeit zum Cybermobbing mach auch vor promovierten Akademikern nicht halt. Denn es funktioniert auch über Kopie-Blind-Mail und E-Mail-Verteiler. Ganz einfach und diskret. Persönliche Streitigkeiten werden schnell mal öffentlich gemacht. Mit Mausklick an alle. Mit der Weiterleitung von Sätzen aus einer E-Mail aus dem Zusammenhang gerissen, ist es ein Leichtes, Halbwahrheiten über die Kontrahentin zu verbreiten, sie schlecht zu machen oder zu verleumden…

Ein Schulung und Vermittlung von Medienkompetenz ist in allen gesellschaftlichen Bereichen dringend erforderlich, denn auch „die ungefragte Veröffentlich von E-Mails ist ein Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht…
Die Veröffentlichung von E-Mails führ in aller Regel zu Unterlassungs- beziehungsweise Schadensersatzansprüchen des Absenders…“ (Carsten Ulbricht, Rechtsanwalt für Recht 2.0). Neben einem Gesetz gegen Cybermobbing brauchen wir Formen für eine respektvolle Umgangs- und Streitkultur. In Kindergärten, Schulen, am Arbeitsplatz, im Ehrenamt, Im Cybernet. Auch und gerade in Karlsruhe.

Umso weniger ist es für mich als E-Learning-Medienpädagogin nachvollziehbar, dass die Gelder und die Fortsetzung der PC-Schulungs-Kurse im Rahmen der Mädchen- und Frauen-Werkstadt in der Hardtstiftung gestrichen wurden.

Renate Schweizer

Leserbrief erschien auch in den BNN