27. April 2019

Nachverdichtung interessiert alle Bürger: die Freien Wähler Karlsruhe setzen sich für ein humanes Wohnen inmitten von Grünflächen ein

Sein entrüsteter Gesichtsausdruck, wie er da auf dem Podium ausdrucksstark seine Meinung vertritt, brachte es auf den Punkt. Mit der Frage „Warum soll ich in einem Wohngebiet wohnen, wo ich aus dem Fenster schaue und dem Nachbarn direkt die Hand reichen kann?“, umriss einer der Anwesenden, Patrik Warren Mahlke von den Freien Demokraten (FDP), am ersten Abend der „Kommunalpolitischen Gesprächsreihe“ im Rahmen der anstehenden Kommunalwahlen in Deutschland am 26. Mai das Thema des Abends sehr geschickt. Die Freien Wähler Karlsruhe - Bürger für Karlsruhe (BüKA) e.V. hatten dabei am Abend des 24. Aprils im Karlsruher Badisch Brauhaus in der Stephanienstraße Vertreter aller Parteien und ihre Mitglieder zum Gespräch zum Thema „Wohnungsversorgung durch Nachverdichtung“ eingeladen und um eine entsprechende Diskussion gebeten.


Neben der oben genannten FDP haben für die in Karlsruhe zur Kommunalwahl antretenden Parteien die CDU, die AfD, Für Karlsruhe, die KAL und die Linke an der Veranstaltungen teil genommen, welche von
Petra Lorenz souverän moderiert wurde. Jürgen Wenzel begrüßte die Anwesenden im Namen der Freien Wähler, bedauerte aber, dass die einzigen beiden Parteien die sich uneingeschränkt für Nachverdichtung stark machen die SPD und GRÜNE keine Vertreter geschickt haben. Als Kritiker der Nachverdichtung waren die verantwortlichen Vertreter der Bürgerinitiativen aus Grötzingen, der Waldstadt und der Nordweststadt vertreten. In den einzelnen Stadtteilen fehlen statt der vermeintlichen Neubauten nicht nur Parkplätze, sondern stellenweise auch die frische Luft zum Atmen, wie aus den einzelnen Vorträgen hervorging. So sei durch den Bau eines Hochhauses im Stadtteil Grötzingen diesem die letzte „Grüne Lunge“ geraubt worden, wie Elisabeth Bär von der Bürgerinitiative Grötzingen sagte.

Sind neue Wohnungsbauten überhaupt unbedingt notwendig?

In der Waldstadt sollen 1300 neue Wohnungen gebaut werden, die teilweise acht Stockwerke hoch sind. „Man kann doch nicht immer schnell und hochbauen“, wie Manfred Meiser vom Bürgerinitiative Waldstadt betonte. So werde der Stadtteil jetzt schließlich zugebaut, inklusive einer neuen 900 Quadratmeter großen Einkaufsfläche, die entstehen solle und die Meiser als überflüssig erachtete. Stefan Schmitt, parteiloses Mitglied des Stadtrates, stellte als Vertreter der Bürgerinitiative für die Nordweststadt anhand einer der die Sachlage verdeutlichenden Präsentation die Prognose in Frage, aus der, wie er sagte, nur zu vermuten ist, dass hieraus der Bedarf an neuen Wohnungen abgeleitet werde. Letztlich variierten die Zahlen sehr stark.

Hintergrund der allgemeinen Unzufriedenheit in Bezug auf die Nachverdichtung sind die negativen Folgen für die Bewohner Karlsruhes und deren Lebensqualität, die aus den in den Rahmenplänen vorgestellten Maßnahmen resultieren. Ergänzend dazu bemängelten die Vorsitzenden der einzelnen Bürgerinitiativen, dass es von der Stadtverwaltung keine plausiblen Erklärungen für die geplanten Maßnahmen gibt. Auch die Parteienvertreter stimmten bis auf CDU und DIE LINKE gegen die Umsetzung der Pläne, gerade wegen der vermeintlich „behutsamen“ Nachverdichtung, die hier im Gegenteil so nicht eintreffe. Mathilde Göttel von der LINKEN stimmte für eine Nachverdichtung im Inneren, weil eine Bebauung bisher unversiegelter Flächen am Stadtrand schlecht für das Klima in Karlsruhe sei. Insgesamt wünschen sich die Bürger, dass ihre heutige gute Lebensqualität, mitsamt der Grünflächen, in Karlsruhe unter allen Umständen erhalten werden muss. Konkret bedeutet das den Schutz und nicht die Bebauung der Grünflächen in der Stadt.