10. September 2018

Leserbrief zur Nachverdichtungsdebatte

Irgendwann finden Menschen irgendwo einen Ort, an dem sie sich wohlfühlen. Sie opfern Zeit und Geld, um sich dauerhaft wohnlich einzurichten. Doch mit wachsendem Bevölkerungszuwachs entsteht auch Wohnbedarf. Dieser richtet sich oft nach dem Arbeits- oder Studienplatz bzw. dem Alterswohnsitz oder der Familienplanung. Niemand möchte auf die Annehmlichkeiten der Umgebung verzichten, oder Veränderungen, die die Wohnqualität einschränkt in Kauf nehmen. Dieser Zustand ist verständlich und erhaltenswert. Daher erscheint es sinnvoll, Wohnraum dort zu schaffen, wo niemand, auch im Sinn von Umwelt, Infrastruktur oder Lebensqualität eingeschränkt wird.


Karlsruhe hat den Vorteil, dass der ländliche Raum in der Umgebung verkehrsmäßig auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut erschlossen ist. Wenn ich hierbei zusätzlich die Mietpreise und die Kosten für Eigentumserwerb mit berücksichtige, scheint es lohnenswert, sich im Umkreis nach Wohnraum zu informieren und dort tätig zu werden, anstatt die Innenstadt von Karlsruhe zusätzlich, auch im Hinblick auf die Klimaveränderung, im eigenen Interesse zu belasten. Die politisch involvierten Personen, die für das Wohl unserer Stadt verantwortlich sind, sollten sich dieser Tatsachen bewusst sein, bevor sie Wohnraumverdichtung als Allheilmittel in Betracht ziehen. Zusätzliche Verkehrsverdichtung, Parkplatznot und klimatische Belastung wären das Ergebnis, das zur Folge hätte, daß der Zeitaufwand bis zur Arbeitsstätte oder dem Aufsuchen von Geschäften und Lokalitäten länger dauert, als das Ziel mit öffentlichen, funktionierenden Verkehrsmitteln nervenschonend zu erreichen. Denken wir neu.

Hans-Christian Arzt