11. Juli 2017

Leserbrief zu den „Bürgermeisterwahlen“ in Karlsruhe

Wenn man mit Karlsruher Stadträten spricht, sind sich eigentlich alle einig: Das unselige Prozedere, reihum mehr oder weniger verdiente Stadträte zu Bürgermeistern zu wählen muss abgeschafft werden. Nur will niemand den Anfang machen. Die SPD will den CDU-Kandidaten unterstützen, weil beim nächsten frei werdenden Bürgermeisterposten ja die SPD von der CDU unterstützt werden möchte. Und so weiter mit den GRÜNEN.

Von den 48 Stadträten der Stadt fallen all diejenigen als Bürgermeisterkandidaten weg, die einem Beruf nachgehen, der sie ausfüllt. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Eine Handvoll Stadträte ohne Verwaltungserfahrung kommen als Bürgermeister für die zweitgrößte Stadt im Ländle infrage. Da das in der ganzen Republik bekannt ist, wird sich niemand bewerben, der fachlich kompetent ist, denn er oder sie hat im Stadtrat keine Chance, gewählt zu werden, auch wenn er noch so qualifiziert ist, schließlich hat eine Fraktion schon den künftigen Bürgermeister bestimmt.

In einer Demokratie ist des unwürdig, in einem Wirtschaftsunternehmen undenkbar. Es ist zu hoffen, dass sich alle Fraktionsvorsitzenden einmal zusammenraufen und sich darauf einigen, dass in Karlsruhe künftig die besten Bürgermeister der Republik gewählt werden und nicht ein Stadtrat gewählt wird, auf den sich die Fraktionen mit Ach und Krach, mit Bauchgrimmen und geballter Faust in der Tasche einigen.

Matthias Kehle

Leserbrief erschien auch in den BNN