23. Januar 2014

Leserbrief gegen den Ausverkauf von wertvollen Sozial- und Kulturschätzen

Karlsruhe ist eine Stadt, die durch die Menschen lebt, die diese Stadt lieben. Viele davon sind in Karlsruhe geboren, aufgewachsen. Menschen in Karlsruhe haben erlebt, wie Gebäude, Grünflächen und Plätze zerstört wurden. Zuerst durch Bomben, später und bis heute durch Kaputt- und Neusanierung.

Wie jede Liebesbeziehung durchläuft auch die Liebe zu einer Stadt Höhen und Tiefen. Aber auch die stärkste Beziehung ist nur begrenzt belastbar. Derzeit und bis voraussichtlich 2020 wird durch den Bau der Kombilösung die Liebe zu unserer Stadt auf eine harte Probe gestellt. Die Karlsruher müssen viel erdulden. In all dem Chaos, welches dieses riesige Bauvorhaben mitten im Herzen der Stadt für die darin lebenden Menschen mit sich bringt, sind stabile Ruhepole mehr als notwendig.

Der Stephanplatz mit seiner vertrauten Karl-Apotheke im architektonisch auffallenden Gropius-Bau ist so ein wertvoller Ruhepol. Einer der wenigen verbliebenen im Herzen der Stadt. Eine Um- und Neugestaltung nun auch noch dort in Erwägung zu ziehen, kommt einer überflüssigen Großoperation am Herzen gleich, von Ärzten, die nicht das Leben der Patienten im Blick, sondern lediglich den Profit zum Ziel haben.

Geld ist wichtig für die Stadt Karlsruhe, das ist klar. Die U-Strab, neues KSC-Stadion und der 300. Stadtgeburtstag müssen finanziert werden…, neue Einnahmequellen müssen entdeckt, Großinvestoren bedient werden. Aber führt das mittlerweile nicht zum Ausverkauf von wertvollen Sozial- und Kulturschätzen? Haben die Karlsruher Verantwortlichen, haben Oberbürgermeister Mentrup und Erste Bürgermeisterin Mergen dabei noch die Menschen, die Geschickte Karlsruhes und das gegenwärtige Leben der Karlsruher im Blick?

Die Kreativen und Kultur Schaffenden – wir Künstler, Musiker, Schriftsteller, Tänzer – tragen viel und derzeit besonders viel dazu bei, die Stadt, die wir lieben, liebens- und lebenswert zu halten. Unsere vielen Beiträge gerade auch zum Erhalt des gesellschaftlichen, sozialen Klimas in unserer Stadt Karlsruhe werden leider von viel zu vielen Hauptverantwortlichen der Stadt unterschätzt – vermutlich deshalb, da wir uns (oft gezwungenermaßen) eher herzgesteuert idealistisch statt monetär motiviert in die Kultur der Stadt einbringen.

Eine gute, funktionierende Beziehung und ein gesundes gesellschaftliches Klima mit und in einer Stadt bestehen nur im Miteinander: Neues kreieren und schaffen und Vertrautes und Bewährtes erhalten und achten – beides in einem gesunden weil ausgeglichenen Maß. Für lange Zeit ist das Maß für städtebauliche Umwälzung voll. Deshalb möchte ich zusammen mit anderen Kultur Schaffenden den Abriss der Karl-Apotheke, die Umkrempelung des Stephanplatzes und den Restausverkauf dieses zwar vermeintlich kleinen Geschichts- und Kulturschatzes mit Appellen an die Stadtverwaltung verhindern.

Renate Schweizer

Leserbrief erschien auch in den BNN

Anmerkung: Wir Freien Wähler unterstützen Aktionen zur Erhaltung der Karl-Apotheke. Hier geht es zur Onlinepetition für den Erhalt der Karl-Apotheke…