24. November 2015

Leserbrief zum Thema "Flaniermeile Kaiserstraße"

Wenn über die Konsolidierung des städtischen Haushaltes eine "breite öffentliche Debatte geführt" werden soll, dann heisst das doch nur, das wir Bürgerinnen und Bürger die Scherben des Porzellans zusammen kehren dürfen, dass der Gemeinderat zerschlagen hat. Als Ursache des klammen Stadtsäckels werden Prestigeprojekte angesprochen. Die städtischen Bediensteten werden aufgefordert in den nächsten 6  Jahren rund 400 Mio € "kreativ" einzusparen. Das sind in etwa die 400 Mio € , die an Eigenleistung bei der Stadt für den Kombitunnel hängen bleiben werden, auch wenn das damals von der CDU  und heute von  rot-grün regierte Land seine Zusage über die Deckelung seines Zuschusses  von  100,8 Mio € brechen werden sollte.


Nicht ganz nachvollziehbar ist dann aber die Zustimmung der Grünen am 30.06.15 für die Ausführungsplanung zum Umbau der Kaiserstrasse in Höhe von knapp einer Mio €. Entweder man ist gegen Prestigeprojekte, oder man ist es nicht. Der geplante Umbau der vollkommen intakten Kaiserstrasse wäre so ein Fall , zumal in der Öffentlichkeit die Kosten dafür noch nicht kommuniziert worden sind. Ich schätze mal so 30-40 Mio bei einer Bauzeit von 5-10 Jahren. Erschwerend hinzu kommt, dass im Planungswettbewerb 2009 eine Forderung war, die vorhandenen Bäume, die alle noch eine Lebensdauer von wenigstens  40 Jahren haben, zu belassen. Im Laufe der Zeit und  bar jeglicher Transparenz, wurden dann Kugelbäumchen draus, die auch schon angekauft worden sind. Es muss ja auch wegen der neuen Bäume angeblich die Oberflächenentwässerung total umgeplant werden. Mir jedenfalls sind keine Pfützen oder Wasserlöcher bekannt, also auch die Entwässerung funktioniert.  Ein weiterer nicht erklärbarer Grund, ist das Ausbauen der Gleise, die im Zeitpunkt der Entfernung maximal 12 Jahre alt sein werden.

Gerade was das Entfernen der Gleise anbetrifft beruft sich ausgerechnet Herr Honne auf den Bürgerentscheid von 2002. Der ist aber meiner Ansicht nach schon längst obsolet, denn keine der Versprechungen damals wurden eingehalten. Weder  gab es nur "punktuelle Aufgrabungen" noch eine Bauzeit von 6 Jahren, noch die Einhaltung der Kosten von knapp 500 Mio €, bei einem Eigenanteil von 75 Mio €. Auch verhiess damals "Karla", der Tunnelbetrieb sei zum Oberflächenbetrieb kostenneutral. Jeder Laie konnte sich bei objektiver Betrachtung schon damals ausrechnen, dass die Reinigung und Beleuchtung, die Wartung der Fahrtreppen und Aufzüge zusätzliches Geld kosten werde. Seit geraumer Zeit wissen wir, und das wurde in diesem Artikel auch angesprochen, dass sich die Folgekosten auf 20 bis 30 Mio € p.a. belaufen werden. Dazu kommt  die Umrüstung der Bahnen für Tunnelbetrieb von nochmals 40 Mio €, was die VBK alleine durch Fahrpreiserhöhungen stemmen werden müssen. Nicht zu vergessen, die vielen Gleisverschwenkungen für rund
65 Mio und Umleitungen wegen der falschen Umsetzungsreihenfolge und natürlich die Unannehmlichkeiten für die Fahrgäste.

Wenn ein Prestigeprojekt wirklich nicht umgesetzt werden muss, weil Geldnot herrscht, dann ist es die strassenbahnlose Flaniermeile. Übrigens ist die reine Fussgängerzone ohne öffentlichen Verkehr schon längst überholt. In Bochum, Neuss, Mönchen-Gladbach oder Erfurt beispielweise fahren Bahn oder Bus wieder bzw. weiterhin durch die "Flaniermeilen", allein schon wegen der sozialen Kontrolle.  In Frankreich wurden in den letzten zwei Jahrzehnten über 20 Strassenbahn- -strecken neu eröffnet. Alle fahren ausnahmslos auch  durch Fussgängerzonen....

Ullrich Müller
Dipl.-Ing. (FH) für Verkehrsbau

Anmerkung: Leserbrief erschien auch in den BNN