29. Juni 2017

Leserbrief zu den anstehenden Bürgermeisterwahlen

Die Besetzung der Bürgermeisterämter wird in Karlsruhe wie in einer Koalition nach Parteienproporz festgelegt. Das ist die faktische Ebene. Tatsächlich handelt es sich um ein ausschreibungspflichtiges Amt, also damit wohl auch um ein sachkundepflichtiges.

Der Bürgermeister erzielt eine Außenwirkung und macht die Stadt gegenüber dem Bürger sichtbar. Gleichzeitig vertritt er den Bürger gegenüber der Verwaltungsebene der Stadt und soll die Zukunft der Stadt gestalten helfen.

Nun hat das Vorschlagsrecht der Fraktionen seit langem dazu geführt, dass keine neuen kompetenten Gesichter von auswärts frische Ideen hereinbringen. Diese treten vielmehr aus den Karlsruher Machtverhältnissen hervor, sind durch diese geprägt und diesen verhaftet. Ein Unternehmen, aber auch Verwaltungsbehörden gehen nur selten den Weg der Hausberufung. Sie wissen um die Macht der Veränderung durch neue Ideen.

Ich empfinde diesen speziellen Karlsruher Weg als ungeeignet, unsere eigentlich hochmoderne und zukunftsstarke Stadt weiterzubringen. Allzu sehr wird doch scheinbar auf den Erwerb dieses Amtes hingearbeitet, ohne dass die Substanz hierfür herausgearbeitet erscheint.

Letztlich müssen sich das aber die abstimmenden Fraktionen und die sie mittragenden Ortsverbände zurechnen lassen. Sie entscheiden sich für einen Kandidaten, machen damit ihr Politikverständnis gegenüber dem Bürger sichtbar und zeigen, zu welcher Verantwortung sie der Stadt gegenüber bereit sind.

Der Bürger wird es durch weiter sinkende Wahlbeteiligung und Abwendungen von der Politik nicht danken.

Dr. Kai Dördelmann

Leserbrief erschien auch in den BNN